Altsysteme ablösen, ohne den Betrieb anzuhalten
Das alte System trägt Daten, Fachregeln und Gewohnheiten, die nirgends dokumentiert sind. Wir lösen es in Stufen ab und halten beide Stände parallel, damit der Betrieb nicht auf einen Umschalttag wartet.
Woher der Druck zur Ablösung kommt
Ein Altsystem wird kaum je abgelöst, weil es altmodisch aussieht. Der Anlass kommt aus dem Betrieb und baut sich über Jahre auf, bevor ihn jemand ausspricht.
Der klarste Fall hat ein Datum: Der Hersteller stellt den Support ein, Sicherheitsaktualisierungen kommen keine mehr. Häufiger und unangenehmer ist der andere Fall — die Fachregeln stehen nirgends geschrieben, sie stecken im Programmcode und im Kopf einer Person, die absehbar in den Ruhestand geht.
Dazu kommt, dass Daten das System nur als Ausdruck verlassen, weshalb jede Auswertung mit Abtippen beginnt, und dass Änderungen nirgends protokolliert werden, wonach die Revision inzwischen jedes Jahr fragt.
Der alte Weg bleibt offen, bis der neue abgenommen ist
Zuerst nehmen wir auf, was im Bestand tatsächlich gilt, und leiten die Fachregeln aus Code und Datenverhalten her; der Fachbereich bestätigt sie schriftlich, bevor sie im neuen System wirken. Dabei stellt sich regelmäßig heraus, dass ein Teil der Regeln seit Jahren keinen Fall mehr betrifft — dieser Teil zieht nicht mit um.
Danach übernimmt das neue System einen Ausschnitt und läuft neben dem alten, die Ergebnisse werden verglichen. Umgeschaltet wird bereichsweise, der Rückfallweg bleibt bis zur Abnahme bestehen. Der Datenbestand zieht dabei mehrfach um, weshalb die Migrationsskripte selbst ein Ergebnis des Projekts sind: versioniert, protokolliert und jederzeit erneut ausführbar.
Im Gespräch sortieren wir, welche Funktionen mitziehen, welche entfallen und was ins Archiv geht.
Was nach der Umstellung vorliegt
- Bestandsaufnahme
- Fachregeln, Datenbestand, Schnittstellen und Rechte des Altsystems, schriftlich
- Zielbild
- Was mitzieht, was entfällt, was ein Standardprodukt übernimmt
- Migrationsskripte
- Versioniert, wiederholbar ausführbar, mit Protokoll je Lauf
- Parallelabgleich
- Vergleich alt gegen neu, Klärliste vor jeder Abnahme leer
- Archiv des Altbestands
- Lesbarer Datenbestand mit Löschklasse und Frist
Manchmal genügen Schnittstelle und Protokollierung
Bevor wir eine Ablösung vorschlagen, prüfen wir, ob das Altsystem mit weniger Aufwand tragfähig wird. Oft nimmt eine überwachte Schnittstelle den akuten Druck heraus, weil die Daten damit auswertbar werden; auch ein sauberes Rechtekonzept und eine prüffeste Protokollierung lassen sich ergänzen, ohne den Kern anzufassen.
Erst wenn Wartbarkeit, Nachweisfähigkeit oder Sicherheit dauerhaft fehlen, lohnt der Neubau. Deckt ein Standardprodukt den Kern des Verfahrens ab, empfehlen wir es und bauen nur das Umfeld dazu. Die Ablösung ist ohnehin der Moment, in dem Abläufe geradegezogen werden; was dabei zu entscheiden ist, steht unterProzessdigitalisierung.
Was hält Sie am Altsystem?
Meist sind es zwei Funktionen und ein Datenbestand, den niemand anfassen will. Genau darüber sollten wir sprechen — 30 Minuten, ohne Vorbereitung.
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