Besucherstromanalyse aus Drohnenbildern der Feuerwehr
Zur Kerwe Weinheim 2026 hat L&I die Drohnenbilder der Feuerwehr Weinheim KI-gestützt ausgewertet. Gemessen wurde die Personendichte je Bereich des Geländes, verarbeitet wurden ausschließlich anonymisierte Informationen.
Warum das Wärmebild allein nicht reicht
Am Samstagabend der Kerwe stehen rund 15.000 Besucher in einer Altstadt, deren Wege aus einer Zeit stammen, in der es diese Zahl nicht gab.
Wer an einem solchen Abend Verantwortung trägt, muss zweierlei gleichzeitig wissen: wo sich Menschen sammeln und ob die Zufahrten für Feuerwehr und Rettungsdienst frei bleiben. Beides ändert sich im Minutentakt, und eine Streife am Engpass sieht die Gasse, nicht das Gelände.
Die Feuerwehr Weinheim fliegt ohnehin mit Drohnen, nur beantwortet ein Wärmebild die eigentliche Frage nicht: Es zeigt Wärmepunkte, zählt sie aber nicht und vergleicht sie nicht mit der Aufnahme von vor zwanzig Minuten. Gefehlt hat die Auswertung dahinter. Sie sollte die Dichte in vorher festgelegten Bereichen messen und die Zufahrten im Blick behalten; einzelne Personen wiederzuerkennen war zu keinem Zeitpunkt Gegenstand.
KI-generiertes Bild
Die Drohne der Feuerwehr im Einsatzflug. Für die räumliche Darstellung wurde sie als eigene Ebene freigestellt und der zuvor verdeckte Hintergrund ergänzt.Ausgangsbild: FW MRN · Ebenenfreistellung und Hintergrundergänzung: OpenAI ImageGenUnverändertes Originalfoto ansehen
Von der Aufnahme bis zur Meldung an die Einsatzleitung
Die Reihenfolge gehört zum Datenschutzkonzept: Anonymisiert wird, bevor ausgewertet wird. Jede Stufe lässt sich einzeln prüfen und einzeln abschalten.
Drohnenbedienung und Funk bleiben bei den Einsatzkräften; die Software ergänzt das vorhandene Lagebild.Bild: Feuerwehren Metropolregion Rhein-Neckar (FW MRN)
Wärmebild
Die Drohne der Feuerwehr Weinheim fliegt einen festen Takt: alle 20 Minuten, ab 22 Uhr alle 10 Minuten. Die Wärmebildkamera erfasst die Besucher als Wärmepunkte über dem Gelände.
Anonymisierung
Gesichter werden beim Hochladen automatisch verpixelt, bevor mit der Aufnahme irgendetwas anderes geschieht. Ein auswertbares Personenbild liegt damit zu keinem Zeitpunkt in der Kette, und wer die Anlage prüft, liest das an der Reihenfolge der Schritte ab, statt es glauben zu müssen. Was bleibt, sind anonymisierte Informationen zur Lagebeurteilung, zweckgebunden auf die Gefahrenabwehr.
Dichte und Schwellwert
Aus der Aufnahme entsteht eine Punktwolke, aus der das System je Bereich die Personenzahl und daraus die Dichte bestimmt. Die Wetterlage geht in die Bewertung ein, weil Regen und Temperatur die Verteilung über den Abend verschieben. Ab welcher Dichte ein Bereich als kritisch gilt, steht vor dem Einsatz fest und wird im laufenden Betrieb nicht nachgezogen; ein Schwellwert, den man verschieben kann, während er anschlägt, ist keiner.
Auswertung eines Drohnenüberflugs: rot die Wärmesignatur der Gassen, grün die gezählten Personen. Der verpixelte Bereich oben zeigt die Anonymisierung, die vor jeder Auswertung greift.Bild: Feuerwehr Weinheim über Weinheimer Nachrichten · Freigabe für diese Verwendung ausstehend
Warnung
Läuft ein Bereich auf seinen Schwellwert zu, meldet das System den Hotspot und die betroffene Engstelle an die Einsatzleitung, dazu die Zugangswege, die für Feuerwehr und Rettungsdienst noch frei sind. Kommt eine Einsatzmeldung herein, liefert es dem Rettungsdienst die genaue Ortsangabe.
Vor der nächsten Veranstaltung
Im Erstgespräch gehen wir Ihren Lageplan durch und benennen, welche Bereiche sich messen lassen und welcher Flugtakt dafür nötig ist.
Ein Plan, der jede Fläche des Geländes, ihren Grenzwert und den Flugtakt festhält
Anonymisierung beim Upload
Eine Verarbeitungskette, in der vor der ersten Auswertung verpixelt wird
Dichteauswertung je Aufnahme
Ein Lagebild mit Uhrzeit, Bereich und Personendichte
Meldung an die Einsatzleitung
Ein Hinweis auf Hotspot, Engstelle und die noch freien Zufahrtswege
Betrieb über die Veranstaltungstage
Ein Ansprechpartner im Einsatz und ein Protokoll der Meldungen danach
Wenige Tage bis zur verlässlichen Einsatzsoftware
Der öffentliche Bericht von FW MRN ordnet die Dauer konkret ein: Die Software für den Kerwe-Einsatz entstand innerhalb weniger Tage.
Das war kein Start ohne Grundlage. Daten und Erkenntnisse aus dem Vorjahr flossen in die Umsetzung ein, die enge Abstimmung mit den Projektpartnern verkürzte die Wege, und Rückmeldungen aus dem laufenden Einsatz wurden als Updates übernommen. Nachzulesen ist die Einordnung imPressebericht von FW MRN.
Einbahnstraße am Engpass in der Gasse nach der Warnung des Systems
Am Eröffnungsabend lief die Dichte am Engpass in der Gasse auf den hinterlegten Schwellwert zu, und das System meldete das an die Einsatzleitung.
Die Stadt Weinheim richtete daraufhin kurzfristig eine Einbahnstraßenregelung ein. Der Besucherstrom verteilte sich auf die Nachbarwege, und die Dichte ging in den folgenden Aufnahmen zurück. Belegt ist der Vorgang selbst: Das System hat gewarnt, die Stadt hat gehandelt, und die Lage war danach eine andere.
Das im Pressebericht gezeigte Einsatz-Dashboard: aktuelle Überflüge mit Zeit, Bereich und anonymisierter Wärmebildauswertung.Bild: Feuerwehren Metropolregion Rhein-Neckar (FW MRN)
Die Entscheidung liegt bei der Einsatzleitung
Die Entscheidungsgrenze stand vor dem ersten Flug fest. Das System sperrt keine Gasse und alarmiert von sich aus keine Stelle; es meldet einen Zustand mit Zeitstempel und Ortsangabe. Ob daraus eine Maßnahme wird und welche, bewerten die Einsatzkräfte, die für die Lage geradestehen. Dieselbe Festlegung treffen wir in jedem Projekt, bevor über die Architektur gesprochen wird; was daraus folgt, steht unterVerantwortung und Human-in-the-Loop.
Arbeitsteilung mit Feuerwehr, Stadt und Hochschule
Getragen hat das Vorhaben, dass jeder Beteiligte einbrachte, was er ohnehin beherrscht: Die Feuerwehr Weinheim fliegt und kennt das Gelände, die Stadt Weinheim entscheidet über Wege und Absperrungen, Prof. Dr. Ralf Otte von der Technischen Hochschule Ulm hat das Vorhaben fachlich begleitet, und L&I hat die Verarbeitungskette gebaut und über die Kerwetage betrieben. Anonymisierung, Dichteberechnung und Schwellwertlogik lagen aus früheren Projekten vor; neu waren das Gelände, seine Aufteilung in Bereiche und die Werte, ab denen es eng wird.
Projektbeteiligte aus Feuerwehr, Stadt und L&I mit der eingesetzten Drohne.Bild: Feuerwehren Metropolregion Rhein-Neckar (FW MRN)
Der öffentlichePressebericht von FW MRNdokumentiert den Einsatz und enthält die vollständige Bildstrecke.
Andere Veranstaltungen mit derselben Verarbeitung
Aufnahme, Anonymisierung, Dichteberechnung, Schwellwert und die Entscheidung durch Menschen bleiben in jeder Lage dieselben Schritte; ausgetauscht werden die Bildquelle und die Werte, ab denen ein Bereich als kritisch gilt.
Kurze Antworten auf die Fragen, die vor einem ersten Gespräch meist geklärt werden.
Was wurde bei der Kerwe Weinheim ausgewertet?
Drohnenbilder der Feuerwehr wurden zu Dichtewerten je vorab definiertem Veranstaltungsbereich verarbeitet. Die Auswertung diente der Lagebeurteilung.
Wurden einzelne Besucher identifiziert?
Nein. Die Verarbeitung zielte auf Dichte und Bewegung in Bereichen. Identifikation, Gesichtserkennung und Personenabgleich waren nicht Bestandteil des Projekts.
Wer entschied über Maßnahmen vor Ort?
Die Einsatzleitung und die zuständigen Stellen vor Ort. Die Software lieferte Hinweise; sie ordnete keine Maßnahmen selbstständig an.
Für Kommunen und Veranstalter
Wenn Sie ein Fest, einen Markt oder eine Innenstadtlage absichern müssen, klären wir im Erstgespräch, was sich messen lässt, was anonym bleibt und wo die Entscheidung liegt. Unternehmen mit vergleichbarer Aufgabe erreichen uns ebenso.